Sammlerstücke

Heinrich und Marie Strieffler haben mit dem Wohn- und Atelierhaus eine umfangreiche kunstgewerbliche Sammlung hinterlassen. Neben traditionellen hauswirtschaftlichen Geschirr- und Glaswaren finden sich viele Glas-, Keramik und Zinnobjekte, die auf Sammelinteressen verweisen. Auf Grund fehlender Belege ist vielfach nicht eindeutig bestimmbar, ob Exponate durch Heinrich oder Marie in die Sammlung gelangten. Die Familiengeschichte legt nahe, dass die vor dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Exponate vor allem durch Heinrich Strieffler er­worben wurden.

Betrachtet man die Exponate im Einzelnen zeigt sich, dass die Aus­stellungen des Münchner Kunstvereins und die Internationalen Kunstaus­stellungen im Münchner Glaspalast seine Sammeltätigkeit offen­sicht­lich beeinflussten. So wurden 1897, in seinem letzten Studienjahr, auf der VII. Internationalen Kunstausstellung u. a. Arbeiten von Clément Massier, Hermann A. Kähler und Max Laeuger gezeigt, Künstler bzw. Werkstätten des Jugendstils, die damals die künstlerische Moderne repräsentierten und die heute das Profil der Sammlung im Strieffler Haus prägen. Marie ergänzte die Bestände in den 1950er und 1960er Jahren, vermutlich spielten dabei ihre Verbindungen zu zeitgenössischen Künstlerkolleg*innen eine entscheidende Rolle.

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Wilhelm Süs

Puttenreigen, Tafelaufsatz, Majolika Karlsruhe, 1910

Dieser Tafelaufsatz wurde mit der Modellnummer 1166 nach einem Entwurf von Wilhelm Süs in der Karlsruher Majolika gefertigt. Er zeigt acht Putten, die auf einer mit kleinen blauen Blüten übersäten Wiese tanzen. Ihr Reigen bildet den Rand der repräsentativen Keramikschale. Das Veilchenmotiv in Verbindung mit Putten/nackten Knaben ist typisch für die Arbeiten von Wilhelm Süs in der ersten Dekade seiner Tätigkeit in der Majolika.
Wilhelm Süs (Düsseldorf, 1861 – 1933, Mannheim), Sohn des Tiermalers Konrad Gustav Süs, besuchte die Düsseldorfer Akademie. 1898 übernahm er die Führung des „Keramischen Ateliers Kronberg am Taunus“, 1901 wurde er zum technischen und künstlerischen Leiter der neu gegründeten Großherzoglichen Majolika-Manufaktur ernannt. Mit seiner Berufung zum Direktor der Großherzoglichen Galerie in Mannheim (1917) war seine endgültige Hinwendung zur Malerei verbunden.
Tafelaufsätze spielten seit der frühen Neuzeit eine zentrale Rolle in der herrschaftlichen Tischkultur. Ursprünglich wurden sie vor allem aus Silber gefertigt, oft teilvergoldet oder mit Emaillearbeiten verziert. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden dafür zunehmend Materialien wie Bronze und Porzellan verwendet. Mit der Reformbewegung in der Angewandten Kunst um 1900 wurde der monumentale Tafelaufsatz durch schlichtere Schalen abgelöst. Sie nahmen Bezug auf die Vorliebe des Jugendstils für die Formensprache der Natur und ermöglichten die Dekoration der bürgerlichen Tafel mit Früchten, Blumen und frischem Grün.
Von Wilhelm Süs befindet sich ein zweites Exponat in der Sammlung: "Kind mit Tambourin". Die Figurine wurde ebenfalls in der Majolika Karlsruhe gefertigt, sie wird dort unter der Modellnummer 1115 im Musterbuch geführt.


Wilhelm Süs in der Sammlung Strieffler

Wilhelm Süs
Wilhelm Süs
"Puttenreigen"
Sammlungsinventar Nr. 052 Tafelaufsatz, Majolika Karlsruhe Modell Nr. 1166, 1910
Wilhelm Süs
Wilhelm Süs
"Puttenreigen (Detail)"
Sammlungsinventar Nr. 052 Tafelaufsatz, Majolika Karlsruhe Modell Nr. 1166, 1910
Wilhelm Süs
Wilhelm Süs
"Putto mit Tambourin"
Sammlungsinventar Nr. 021 Kleinplastik, Majolika Karlsruhe Modell Nr. 1115, 1910
Wilhelm Süs
Wilhelm Süs
"Putto mit Tambourin (Seitenansicht)"
Sammlungsinventar Nr. 021 Kleinplastik, Majolika Karlsruhe Modell Nr. 1115, 1910